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Warum Einsamkeit in der Führung kein Problem ist, das du lösen kannst

  • Autorenbild: Markus Ernsten
    Markus Ernsten
  • vor 5 Tagen
  • 3 Min. Lesezeit

Es gibt eine Art von Einsamkeit, die nichts mit dem Alleinsein zu tun hat. Du sitzt in Meetings, führst Gespräche, triffst Entscheidungen — und trotzdem spürst du, dass da eine Lücke ist. Ein Raum, den niemand um dich herum betritt. Nicht weil sie nicht wollen. Sondern weil die Struktur, die du gebaut hast, es nicht zulässt.


Ich kenne das. Nicht aus Büchern. Aus eigener Erfahrung.


Über Einsamkeit in der Führung wird selten ehrlich gesprochen. Sie taucht in Studien, in Coaching-Broschüren, manchmal in Keynotes auf — aber immer als Problem, das man lösen kann. Meditiere. Baue dir ein Netzwerk. Finde einen Mentor. Alles gut gemeint. Und alles am Kern vorbei.


Denn die Einsamkeit, die ich meine, ist kein Defizit. Sie ist eine Konsequenz. Sie entsteht nicht, weil etwas fehlt. Sie entsteht, weil du eine Position einnimmst, in der vollständige Offenheit ein Risiko darstellt. Wo dein Zweifel die Sicherheit anderer erschüttert. Wo deine Unsicherheit als Schwäche gelesen wird — nicht als Zeichen von Tiefe.


Das ist kein Bug. Das ist das System.


Ich habe mit vielen Unternehmern darüber gesprochen. Die meisten erkennen es sofort, wenn man es ausspricht. Aber sie haben es nie benannt. Weil "benennen" bedeutet: zugeben, dass man nicht alles unter Kontrolle hat. Und genau das ist der Widerspruch — der Mensch, der für Sicherheit sorgen soll, darf selbst keine Unsicherheit zeigen.


Was dabei verloren geht, ist nicht nur persönliches Wohlbefinden. Es ist Urteilsvermögen. Wer nie widersprochen wird, verliert irgendwann den Zugang zum kritischen Denken. Nicht weil er dumm ist, sondern weil Reflexion einen Gegenpart braucht. Jemanden, der nicht zustimmt, weil es erwartet wird, sondern fragt, weil es notwendig ist.


Das klingt einfach. Ist es aber nicht.


Denn es verlangt etwas, das den meisten Unternehmern schwerfällt: Kontrolle abzugeben. Nicht über das Unternehmen. Über das Gespräch. Sich in eine Situation zu begeben, in der du nicht der bist, der die Antworten hat. Sondern der, der die Fragen aushält.


Ich will hier keine Lösung anbieten. Nicht weil es keine gibt, sondern weil die Vorstellung, Einsamkeit "lösen" zu können, Teil des Problems ist. Was hilft, ist nicht weniger Einsamkeit. Es ist ein ehrlicher Kontakt. Einer, der nicht auf Hierarchie basiert, nicht auf Abhängigkeit, nicht auf Erwartung — sondern auf der Bereitschaft, sich wirklich zu zeigen.


Das ist das Gegenteil von Netzwerken. Das ist Verletzlichkeit.


Und ja, ich weiß, wie das klingt. Verletzlichkeit ist ein Wort, das inzwischen so oft verwendet wird, dass es fast nichts mehr bedeutet. Aber ich meine es nicht als Konzept. Ich meine es als Praxis. Die Praxis, in einem Gespräch zu sagen: "Ich weiß es gerade nicht." Oder: "Ich habe Angst, dass diese Entscheidung falsch ist." Nicht als Schwäche — sondern als Grundlage für bessere Entscheidungen.


Die Unternehmer, die ich begleite, sagen mir manchmal: "Das ist das erste Mal, dass ich das jemandem sage." Nicht, weil sie niemanden haben. Sondern weil sie niemanden hatten, dem sie es zugetraut haben.


Das ist der Unterschied zwischen Einsamkeit und Alleinsein. Einsamkeit ist, wenn du von Menschen umgeben bist, die etwas von dir wollen. Alleinsein ist, wenn du dich bewusst zurückziehst, um klar zu denken. Das Eine ist eine Falle. Das andere ist eine Entscheidung.


Meine Einladung ist simpel: Hör auf, Einsamkeit als etwas zu behandeln, das weg muss. Fang an, sie als Signal zu lesen. Sie zeigt dir, wo Ehrlichkeit fehlt. Nicht bei den anderen. Bei dir.


Und wenn du dort angefangen hast — dann verändert sich alles.


Hier veröffentliche ich alle zwei Wochen Artikel, die tiefer gehen. Wenn du Unternehmer bist und dich mit Themen wie Führung, Identität und Klarheit beschäftigst — bleib dran.


 
 
 

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Markus Ernsten

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